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Eine besondere Konstellation des Tennis-Doppels stellt das Mixed, also das gemischte Doppel, dar.
Mitunter ist im freizeitsportlichen Bereich sogar zu beobachten, dass Mixed-Begegnungen zu einer regelrechten Belastungsprobe für Beziehungen werden, bergen sie doch die Gefahr eines Rollenkonfliktes zwischen den Geschlechtern. CATH u.a. (1980, 148) sagen: Der emotionale Einsatz im Spiel mit Ehepartnern ist besonders hoch.
Der beteiligte männliche Spieler versucht häufig, seiner Partnerin - selbst wenn diese eine Tennisspielerin mit beachtlichem Repertoire ist - taktische und schlagtechnische Hinweise zu erteilen. Tritt gar der Fall ein, dass der Mann seiner Mitspielerin Vorwürfe über ihr Spiel macht, ist noch mehr Ungemach denkbar, nämlich unbeherrschte Aggressionsausbrüche, wie es CATH u.a. (1980, 145) formulieren.
Ein weiterer Punkt ist das Demonstrieren der eigenen Stärke und des Könnens seitens der Männer. Sie wollen ihren Partnerinnen eindrucksvoll beweisen, was sie können und meinen nicht selten, vor diesem Hintergrund nahezu jeden Punkt auf Gedeih und Verderb höchstselbst mit einem Winner abschließen zu müssen.
So kommt auch das Wildern in der Platzhälfte der Partnerin durch den männlichen Doppelpartner sehr viel häufiger vor als im Verlaufe eines reinen Herren- oder Damendoppels.
Der ungebetene Berater
Wie bereits angedeutet: Beim Mixed sticht nicht nur die Häufigkeit der Interaktion zwischen den Partnern ins Auge, sondern auch die Art der gegenseitigen Kommunikation ist zumindest teilweise als sehr scharf zu beschreiben. Die männlichen Spielpartner versuchen nicht selten, wie es von CATH u.a. (1980, 149) beschrieben wird, als geradezu ungebetener Berater aufzutreten. Sie versuchten, ihre Partnerin in vielen Spielsituationen zu dirigieren. Sie fühlten sich geradezu wie ein Vorgesetzter, der sämtliche Entscheidungen zu fällen habe.
Nun zu einem besonders bedeutsamen Punkt.
Auch ist sehr häufig zu beobachten, dass sich vor einem Match keinerlei Kommunikation über die Grundaufstellung für die Platzabdeckung (Vor- oder Rückhandseite) zwischen Spielerin und Spieler ereignet. Viele Tennisspieler sind der Meinung - und dies betrifft ebenso die gängigen Ansichten, was reine Herren- bzw. Damen-Doppel betrifft -, dass der stärkere Akteur (im Mixed also der männliche Part) auf der Rückhandseite spielen müsse, um den sogenannten Advantage-Court abzudecken und dort für die entscheidenden Punkte zu sorgen.
Die Dame nie auf die Rückhandseite?
Viele Tennisspieler haben sich über die Bedeutung der Rück- und Vorhandseite beim Mixed aber sehr wahrscheinlich noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Dabei ist die Rückhandseite für den Spielverlauf tatsächlich von entscheidender Wichtigkeit. Ob bei Spielball Aufschläger oder umgekehrt 15:30 oder gar Breakball Rückschläger - der Aufschlagende muss in all diesen Beispielen für kniffligen Situationen (es gibt natürlich noch weit mehr) auf die Rückhandseite der returnierenden Partei aufschlagen. Damit ist in diesen Situationen das Returnspiel von entscheidender Bedeutung für den weiteren Spielverlauf, der Returnierende steht geradezu unter Erfolgszwang.
Doch ist dies tatsächlich das entscheidende Argument dafür, den stärkeren Spieler einer Doppelpaarung - respektive im Mixed den männlichen Teil - mit dieser Aufgabe zu betrauen? Es gibt dazu höchst unterschiedliche Ansichten!
Fakt ist: Ein guter Return eröffnet viele Chancen auf den Punktgewinn. In diesem Zusammenhang ist es nicht unwichtig, dass es bei einem Aufschlag auf die Rückhand der auf der Rückhandseite des Platzes postierten Spielerin oder des dortigen Spielers einfacher ist, mit einem Cross-Return denn mit einem Longline-Return zu antworten. Auf der Vorhandseite ist es wesentlich schwieriger, einen Aufschlag mit der Rückhand cross zu beantworten.
BRADEN (1979, 241) unterstreicht dies, indem er darauf verweist, dass ein Rückhand-Return im Doppel von der Vorhandseite von innen nach außen geschlagen werden muss, um den Ball von dem Netzspieler fern zu halten. BRADEN sieht in der grundlegenden Schlagvariante, einen Schlag quer zum eigenen Körper auszuführen, die im Vergleich leichteste Returntechnik und verweist darauf, dass ein auf der Rückhandseite des Platzes quer zum Körper gespielter Rückhandreturn automatisch eine diagonale Flugbahn erhalte. Auf der Vorhandseite könne eine quer zum Körper gespielte Rückhand hingegen nur longline auf den Netzmann des gegnerischen Doppels zielen, anstatt einen taktisch weit wirkungsvolleren (es sei denn, es wird mit einem hoch riskanten Longline-Passierversuch ein direkter Punktgewinn angestrebt) Cross-Return zu spielen.
Letzteres verlange somit höhere technische Fähigkeiten, sprich die korrekte Schlagausführung auch aus sehr starker Körperdrehung heraus. Zudem setzt die daraus resultierende, sehr geschlossene Körperstellung zum Netz den Returnspieler auch unter erhöhten Zeitdruck, bis er überhaupt richtig zum Ball steht, um den Schlag biomechanisch korrekt und damit auch wirkungsvoll auszuführen.
Der Flugball als entscheidender Faktor?
BRADEN (1979, 241) führt übrigens auch an, dass nicht nur im so genannten AdvantageCourt entscheidende Punkte gespielt würden, sondern insbesondere bei Spielständen von 30:30 oder Einstand sehr wohl auch auf der Vorhandseite. Demzufolge lässt BRADEN das Vorurteil, der vermeintlich stärkere Spieler eines Doppels müsse zwangsläufig auf der Rückhandseite agieren, nicht gelten.
Für die anderweitige Besetzung der Rückhandseite speziell im Mixed spreche zudem, dass Spielerinnen aufgrund eines weniger stark ausgebildeten Oberarmmuskels verstärkte Probleme beim Rückhandvolley hätten und dieser Schlag insbesondere beim Netzspiel auf der Vorhandseite (gerade bei gezielten gegnerischen Schlägen durch die Platzmitte, Anm. d. Verf.) gefordert werde. Dies ist deshalb von nicht unerheblicher Bedeutung, da so zumindest die Ansicht von BRADEN (vgl. 1979, 242) es für den Erfolg eines Doppels nicht auf die Aufschlagstärke, sondern auf das bessere Volleyspiel ankomme: Aufgrund dieser Tatsache werden Doppelbegegnungen entschieden.
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Ruven Sauer, Sportjournalist
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