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Mündliche Interaktion spielt sich im Tennis-Doppel in erster Linie - wenn auch nicht ausschließlich - im Zuge taktischer Absprachen vor dem Beginn eines Ballwechsels ab, da mündliche Verständigung den Partner wesentlich exakter über eine bevorstehende Absicht informieren kann als Interaktion durch Zeichen und Gesten.
Hierbei handelt es sich um die Möglichkeit taktischer Beratung, die im Tennis-Einzel zu diesem Zeitpunkt hingegen völlig entfällt.
Inhalt dieser Absprachen können unter anderem Richtung und Schnitt des folgenden Aufschlages sein, um den Netzmann die möglicherweise direkte Verwertung des gegnerischen Rückschlages zu erleichtern.
Denn ein guter Aufschläger, der nur alleine auf sich gestellt ist, steht trotz eines bestechenden Service so stark unter Druck, dass fraglos auch bei ihm Fehler nicht ausbleiben und die Gefahr verlorener Aufschlagspiele droht. Auch Return-Varianten, das Räubern des Netzmannes nach dem gegnerischen Return, Varianten der Raumabdeckung (vgl. SCHÖNBORN 1981, 189), zur gewöhnlichen Doppelaufstellung alternative Formationen wie etwa die so genannte australische Aufstellung, offensive oder abwartende Taktik im direkt folgenden Ballwechsel, gezieltes Anspielen des schwächeren Teils des gegnerischen Doppels oder sogar bereits ein komplexes Verlaufskonzept für den nächsten auszuspielenden Punkt können zwischen den Partnern abgestimmt werden.
Diese Besprechungsphase geht mit kurzer Entspannung vom unmittelbaren Wettkampfverlauf einher. Auch ist zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit gegeben, sich mit dem Partner rückzuversichern, begangene Fehler abzuhaken und wieder zu besserer Konzentration zu finden. Die Phase der Wiederanspannung beginnt schließlich in dem Moment, zu dem sich beide Partner aus der räumlichen Nähe während ihrer Kommunikation lösen und ihre signifikanten Positionen vor dem anstehenden Ballwechsel auf dem Feld wieder einnehmen (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 101).
Nicht nur die Taktik zählt
Zur mündlichen Interaktion zählen neben der taktischen Komponente ferner gegenseitiges Aufmuntern und Loben (vgl. SCHÖNBORN 1981, 187) nach einem Punktgewinn bzw. -verlust sowie die Notwendigkeit, dass sich beide Partner gegenseitig Nervosität nehmen, sofern diese vorhanden ist.
Dieser Faktor stellt ein zentrales Bindeglied zu der noch zu behandelnden, blinden Interaktion dar - insbesondere dann, wenn nur einer der beiden Partner mit Nervositätsproblemen zu kämpfen hat. Sein Nebenmann muss dies, beispielsweise anhand von Selbstgesprächen, die der Partner zu führen beginnt, einerseits richtig erkennen und deuten können sowie auch die geeigneten Maßnahmen - sei es durch mündliche Interaktion oder solche durch Zeichen und Gesten - parat haben, um gegenzusteuern.
Gleiches gilt etwa auch im Hinblick auf die ebenfalls noch zu skizzierende Interaktion mit Zuschauern, sofern ein Teil des Doppels Schwierigkeiten mit unobjektiven oder unfairen Äußerungen des Publikums hat, wie dies insbesondere in Mannschaftswettbewerben nicht selten der Fall ist.
An solche Interaktion knüpft schließlich wiederum ganz im Sinne eines Regelkreises - die taktisch bedingte Kommunikation im Vorfeld des nächsten Ballwechsels an.
Als weitere Bereiche, in denen mündliche Interaktion zum Tragen kommen kann, sind darüber hinaus die Zeiträume während eines Ballwechsels sowie während des Seitenwechsels zu nennen.
Vor allem während eines Ballwechsel ist die mündliche Art der Informationsübertragung die schnellste und effektivste. Schon alleine, wenn das gegnerische Paar versucht, mit einem Schlag durch die Mitte Erfolg zu haben, entscheidet der Ausruf Mein Ball! nicht selten darüber, ob sich ein Doppel mit einer Konteraktion doch noch aus einer defensiven Position befreien kann. Gleiches gilt etwa auch für die Chance, per Schmetterball zum Punktgewinn zu kommen. Kurze, mündliche Interaktion ist in jedem Fall insbesondere dann nötig, wenn der gegnerische Ball räumlich so platziert wird, dass die Gefahr eines eigenen Missverständnisses droht.
Selbst wenn die vom eigenen Partner wahrnehmbare Akustik infolge eines gerade noch erreichten Balles (Stöhnen, Ächzen) nicht in Sprache, sondern nur in einem Laut besteht, hat dies für den zweiten Spieler signalisierenden Charakter. Er weiß nun, dass er beim nächsten Schlag des Gegners sowohl die Platzabdeckung als auch die Verantwortung für seinen Partner größten Teils mit zu übernehmen hat - zumal wenn dieser bei seiner voran gegangenen Rettungsaktion räumlich weit aus dem Feld getrieben wurde.
Hoher Interaktionsgrad beim Seitenwechsel
Beim Seitenwechsel ist der mündliche Interaktionsgrad zwischen beiden Partnern ebenfalls besonders hoch. Er ist allerdings deutlich niedriger, wenn - wie bei Mannschaftsspielen - ein Trainer oder Betreuer mit auf der Bank sitzt.
Ist dies jedoch nicht der Fall, ist es ratsam, sich gegenseitig zwecks Entspannung vom Matchgeschehen zwar auch einen Zeitraum ohne Kommunikation zu gewähren, in der verbleibenden Zeit aber auch grundlegende taktische Konzepte möglicherweise zu überdenken, sich aufzumuntern, insbesondere bei Rückstand Gemeinschaftsgefühl und Mut zu stärken oder zum Zwecke des vorübergehenden Abschalten-Könnens durchaus auch miteinander zu flachsen. Nicht zuletzt kann, da sich die Bank des gegnerischen Doppels in aller Regel nur wenige Meter entfernt befindet, auch ganz gezielt im Hinblick auf eine Verunsicherung der Kontrahenten - sprich für diese wahrnehmbar - interagiert werden. Dies fiele dann bereits in den Bereich einer internen, auf den Gegner bezogenen Interaktion.
NAVRATILOVA (1984, 142) unterstreicht, dass Gespräche unter Doppelpartnern, auch solche auf dem Platz, locker und entspannt sind und dem Gegner zu erkennen geben, dass wir ein Team sind. Allerdings kommt der mündliche Kommunikationsgrad immer auch auf den Spielertyp an (NAVRATILOVA 1984, 139). BRADEN (1979, 232) gibt zu bedenken: Spieler, die vielleicht auch aus taktischen Erwägungen nicht untereinander sprechen, verlieren das Verantwortungsgefühl vor dem Ball und reagieren nicht schnell genug.
Vier Ebenen der verbalen Kommunikation
Von selbst versteht sich allerdings, dass mündliche Interaktion auch negative Auswirkungen haben bzw. sich auf nicht leistungsfördernder Ebene vollziehen kann. Dies wird anhand einer ganz grundlegenden Typisierung verbaler Kommunikation im Sport sehr gut deutlich, wie sie SYER/CONOLLY (1987, 177) vornehmen.
SYER/CONOLLY unterteilen vier Bereiche. Zum einen nennen sie ebenfalls Ermutigung und Lob als Inhalt verbaler Kommunikation. Ferner verweisen sie auf positive Hinweise eines Akteurs, der eine bessere Übersicht über die Situation hat, als derjenige, der handeln muss. Hierunter würde zum Beispiel fallen, wenn der passive Nebenmann seinem Partner, der im Begriff ist, einen Schmetterball zu töten, zuruft: Cross! oder Longline!. Dies kann deshalb sehr effektvoll sein, weil der Partner unmittelbar vor seinem Schlag oftmals seine eigene Konzentration voll und ganz auf den Ball gerichtet hat. Nur Spieler ab einem gewissen sportlichen Niveau sind zusätzlich in der Lage, die zeitlich parallelen Bewegungen der Gegner in deren Platzhälfte ebenfalls mit zu verfolgen.
Solche Zwischenrufe sind allerdings nur dann zu empfehlen, wenn ein Doppel in der Tat sehr gut harmoniert. Einen unerfahrenen Akteur wird ein gut gemeinter Zwischenruf dieser Art womöglich sogar entscheidend bei der Schlagausführung irritieren. Die Vertrautheit der Stimmlage, des Tonfalles und der Wortwahl des Partners helfen dagegen, von einer solchen Interaktion zu profitieren.
In Befehlen sehen SYER/CONOLLY (1987, 177) die dritte Kategorie der mündlichen Interaktion. Hierunter würde beispielsweise der schon angeführte Zuruf Mein Ball! fallen.
Den vierten und letzten sowie gleichzeitig für das Fortbestehen einer Doppelpaarung oftmals fatalsten Bereich stellt schließlich destruktive Kritik nach Fehlern dar.
Schuldzuweisungen helfen nicht. Im Gegenteil: Schaukelt sich gegenseitige Unzufriedenheit zweier Doppelpartner immer weiter hoch, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich entzweit. Die beiden Akteure spielen dann das betreffende Match im Sinne eines mit zwei multiplizierten Einzels (CATH u. a. 1980, 136) zwar vielleicht noch zu Ende. Doch die gegenseitige Enttäuschung legt nahe, es in Zukunft nicht mehr miteinander zu versuchen.