Ursprungsseite: http://www.ratgeber-fitness.de/index.php?pVId=61415677&nodeId=15504&page=3
ratgeber-fitness.de » Fitness » Fit für Rekorde » TENNIS-DOPPEL: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

TENNIS-DOPPEL: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Die Wahl des Doppelpartners - klassische Kombinationstypen (Seite 3 von 12)

Quelle: photos.com
Viele Wege führen nicht nur nach Rom. Denn im Tennissport gibt es kaum einen anderen Bereich, in dem so viel gerätselt, spekuliert, Ideen entworfen und wieder verworfen werden als hinsichtlich der Idealbesetzung eines Doppels.
Jedem Aktiven dürfte die obligatorische Mannschaftszusammenkunft nach den Einzeln eines Medenspieles nur allzu vertraut sein - in den meisten Fällen erweist sich die richtige Nominierung der Doppel als Vabanquespiel. Man fragt sich: Wer aus der eigenen Mannschaft harmoniert mit wem bestmöglich? Das Ganze natürlich auch noch vor dem Hintergrund der möglicherweise zu erwartenden, gegnerischen Paarung.

Vor diesem Hintergrund drängen sich Fragen auf: Gibt es überhaupt die „optimale Besetzung“? Welche Faktoren müssen gegeben sein, damit sich ein Doppel „findet“? Daraus können sich gravierende Folgen für das sportliche Resultat ergeben – im Extremfall, dass eine Paarung den höchst kontraproduktiven Eindruck erweckt, als bestreite sie eher zwei parallele Einzel anstatt eines gemeinsamen Doppels.


Ein guter Einzelspieler muss kein guter Doppelspieler sein

Ein häufiger Fehler besteht darin, dass ein Spieler, welcher auf der Suche nach einem Doppelpartner ist, sich gerne einen bestechenden Einzelspieler sichern möchte, statt ausgiebiger nach einem wirklich geeigneten Nebenmann zu suchen (vgl. CATH u. a. 1980, 149).
Hierin liegt oft schon der erste gravierende Denkfehler, der mit der Zeit in gestörter Interaktion resultieren und damit mittelfristig auch das Auseinanderbrechen und die Trennung eines Doppels zur Folge haben kann, weil die Kluft zwischen Idealbild (sprich der Wunschvorstellung) und Realbild (also dem tatsächlich Umsetzbaren) immer deutlicher wird (vgl. CATH u.a. 1980, 142). Im Doppel besteht eine andere Wertigkeit und Priorität der Schläge als im Einzel (vgl. SCHÖNBORN 1981, 186), folglich muss nicht jeder gute Einzelspieler auch ein guter Doppelspieler sein. Er kann es sein - wenn er den veränderten Notwendigkeiten in der Doppeltechnik und -taktik gerecht werden kann. Er muss es aber keineswegs zwangsläufig.

Ein guter Doppelspieler muss grundlegend bereit sein, etwas zu riskieren. Er muss ein initiativer Spieler sein, schließlich gewinnt man ein Doppel in aller Regel „am Netz“ und nicht aus der Defensive heraus. Er muss mit den Grundschlägen extremere Winkel spielen können, riskanter und dabei trotzdem abwechslungsreicher aufschlagen sowie wirkungsvoll - d. h. gleichermaßen flach, schnell und hart - returnieren können. Ferner muss der „Doppelspezialist“ über eine instinktive Bewegung zum Netz, gutes Flug- und Überkopfballspiel sowie ein gutes Auge und überdurchschnittliches Antizipationsvermögen verfügen. Sehr gutes Reaktionsvermögen und Flexibilität im Hinblick auf alternative Formationen etc. zählen taktisch und technisch ebenfalls zu den zentralen Anforderungsbedingungen.
Dementsprechend zutreffend ist die Aussage von CATH u. a. (1980, 136), dass „ein Doppel nicht ein mit zwei multipliziertes Einzel darstellt, sondern man“ (auch bei ansprechender eigener Leistung, Anm. d. Verf.) „nur so gut ist, wie es der (...) Partner erlaubt.“ So wird in aller Regel ein ausgesprochen defensiv eingestellter Einzelspieler den Anforderungen im Doppel eher weniger gerecht werden können. Ihm wird es bereits schwer fallen, zumindest in bestimmten Phasen eines Matches die nötige Initiative zu übernehmen.

Als Konsequenz der Annahme von CATH u. a. (1980, 137) muss sogar davon ausgegangen werden, dass „typische Einzelspieler“ und „typische Doppelspieler“ wohl schon aufgrund unterschiedlicher Wesensmerkmale kaum miteinander harmonieren werden. In einem „typischen Einzelspieler" sehen CATH u. a. einen besonders „unabhängigen, konkurrenzwilligen, dominierenden und verantwortungsbereiten“ Akteur, typischen Doppelspielern attestieren sie einen „anlehnungsbedürftigen und geselligen“ sowie mit „Herdentrieb“ und der ablehnenden Haltung gegenüber der „Übernahme alleiniger Verantwortung“ ausgestatteten Charakter. Der Lehrplan des DEUTSCHEN TENNIS-BUNDES (1995, 70) verweist zudem darauf, dass sich in puncto Einstellung „auch die gemeinsame Spielauffassung, sprich die Ansichten über Tennis und Doppel im Besonderen, decken sollten.“


Blitzschachähnliche Kombination

Nach SCHÖNBORN (1981, 186) sollten die beiden Partner ferner „die Fähigkeit zur blitzschachähnlichen Kombination“ besitzen. Sie müssen bereit und in der Lage sein, füreinander Verantwortung zu übernehmen, sich also gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen. Zwar kann der, der im Match nichts tut, auch nichts falsch machen. Doch seinem Partner und damit dem gemeinsamen Doppel wird er so keinen Gefallen tun.

Taktische Absprachen, Zurufe während eines Ballwechsels oder das Signalisieren von Zeichen funktionieren jedoch nur, wenn zwischen den Akteuren eine gegenseitige Toleranz und Akzeptanz besteht - sowohl auf menschlichem als auch auf technisch/taktischem Sektor.
Akzeptiert ein Teil des Doppels seinen Partner beispielsweise schon als Persönlichkeit nicht, wird er auch kaum bereit sein, etwa taktische Vorschläge des anderen für wirklich bare Münze zu nehmen, geschweige denn sie dementsprechend umzusetzen. Setzt er sie überhaupt um, dann nicht nur widerwillig, sondern höchst wahrscheinlich auch nicht sonderlich erfolgreich. Es geht dann eben nicht mehr um die gemeinsame Sache im Sinne der Bedeutung des Doppels als „kleinste Form einer Mannschaft“ (BRESKVAR 1985, 101), selbst wenn beide Teile dem technisch/taktischen Anforderungsprofil des Doppels entsprechen (vgl. BRSKVAR 1985, 101). CATH u.a. (1980, 140) verweisen zu Recht darauf, dass „eine gleichrangige, technische Fähigkeit alleine die Partnerschaft nicht erhalten kann, wenn die emotionale Balance fehlt.“

Demzufolge sollte gegenseitige Sympathie vorhanden sein, mit deren Hilfe auch Krisensituationen besser gemeistert werden und gleichwohl gesteigertes Vertrauen in das Spielkönnen und Engagement des Partners gesetzt werden kann (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1995, 70). NAVRATILOVA (1984, 139) unterstreicht, dass unter dieser Voraussetzung „Sieg und Niederlage für beide Partner besonders erinnerungswürdig werden“.
Wird im eigenen Partner gar von vorne herein ein ohnehin hoffnungslos schlechter Doppelspieler gesehen, steht der Schwächere unter noch größerem Druck, als es das durch das Matchresultat zu erreichende Ziel ohnehin bereits vorgibt und er versagt in aller Regel.
Es gibt Beispiele von dennoch erfolgreichen Zweckbündnissen, die diese Theorie widerlegen. Im Davispokal bzw. in den Medenspielen im Amateurbereich wird man solche Kombinationen durchaus antreffen – jedoch im Gegensatz zu offenen Turnieren und der dort in der Tat gegebenen Möglichkeit, den Partner frei zu wählen.

Denker und Vollstrecker

SCHÖNBORN (1981, 187) sieht als viel versprechende Spielerkombination auf technisch/taktischem Sektor das Nebeneinander eines „Denkers und Vollstreckers“ an, also das Zusammenspiel eines technisch und taktisch beschlagenen Akteurs mit einem - umgangssprachlich formuliert – „Draufgänger“. Einem Spieler kommt demnach die Aufgabe zu, die durch seinen Partner letztendlich zu erzielenden Punktgewinne mit Weitblick vorzubereiten.

Akzeptieren sich beide Partner auch menschlich, so kann ein ruhiger Spieler ausgleichend auf seinen emotionaleren Partner wirken und ist es vorteilhaft, wenn die Rollen von „Chef“ und „Wasserträger“ klar verteilt sind (vgl. SCHÖNBORN 1981, 187). CATH u. a. (1980, 139) bringen diese Gedanken auf einen Nenner: Sie sehen die optimale Spielerkombination „in einem aggressiven Kraftspieler und einem untergeordneten, passiven Spieler mit Fingerspitzengefühl.“
Seiten:
Worum es in diesem Beitrag geht
Was Interaktion eigentlich ist
Die Wahl des Doppelpartners - klassische Kombinationstypen
Interne, mündliche Interaktion eines Doppels
Interaktion durch Zeichen und Gesten
„Blinde“ Interaktion
Interaktion des Doppels mit dem Gegner
Interaktion eines Doppels mit seiner Umwelt: Trainer, Zuschauer, Schiedsrichter, Mannschaftskameraden sowie gegnerische Betreuer und Funktionäre
Grad der Interaktion in Abhängigkeit von Wettkampf, Training, eigener Verfassung und Stärke des Gegners
Interaktion in der Vor- und Nachbereitung von Training und Wettkampf sowie sportunabhängige Interaktion
Vorhandseite, Rückhandseite: Das Mixed - Doppel als besonders „heißes Eisen“ unter Interaktionsgesichtspunkten
Literaturhinweise