TENNIS-DOPPEL: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Seiten:  2  10  11  12 Was Interaktion eigentlich ist
Sport entwickelt sich erst durch die Beziehungen zwischen handelnden Personen und zum sozialen Handlungsfeld.
Diese Personen nehmen sich gegenseitig war, handeln miteinander, gegeneinander, nebeneinander oder nehmen als Außenstehender, sprich als Zuschauer, an einem Sportereignis teil. Darüber hinaus zählen zum Handlungsfeld Funktionäre, Schiedsrichter sowie Trainer.

Die Aussage „Man kann nicht ,nicht kommunizieren’“ (EBERSPÄCHER 1993, 186) verdeutlicht: Handeln und Verhalten von Personen oder Gruppen haben immer, auch wenn diese Prozesse keineswegs immer verbal erfolgen müssen, einen Mitteilungscharakter.
Den Austauschprozess, bei dem Handeln und Verhalten in einem sozialen Handlungsfeld wahrgenommen, verarbeitet und beantwortet werden, nennt man Interaktion (vgl. EBERSPÄCHER 1993, 187).

Warum ist adäquate Interaktion so wichtig?

Nicht nur, aber auch für sportliches Handeln ist von entscheidender Bedeutung, dass wichtige Informationen aufgenommen sowie richtig koordiniert und interpretiert werden. Durch diese Kommunikation („Datenaustausch“) können einzelne Personen oder Gruppen hinsichtlich ihres zukünftigen Handelns beeinflusst werden.
Interaktionsprozesse sind für jede Mannschaft und damit auch für ein Tennis-Doppel von entscheidender Bedeutung hinsichtlich des Erreichens von Zielen. Als Mittel zum Datenaustausch dienen vornehmlich Sprache, Zeichen, Signale oder Gesten von Seiten des oder der Mitspieler, der Gegner, des Trainers oder anderer Personen aus dem Umfeld.
Wahrgenommen werden können Informationen prinzipiell über alle verfügbaren Sinne des Menschen, weshalb Eberspächer vier Wahrnehmungscharaktere unterscheidet: Das Sehen, das Hören, das Tasten und das Riechen.

Entscheidend ist einerseits, ob es gelingt, alle für das eigene Handeln wichtigen Informationen aufzunehmen. Jedoch auch, diese so zu verarbeiten, dass man sprichwörtlich „im Bilde“ ist. Erfahrene Athleten, Trainer, Sportlehrer und Schiedsrichter haben deshalb im Laufe ihrer Karriere einen Blick für das Wichtigste entwickelt (vgl. EBERSPÄCHER 1993, 188).
Werden Formen der Informationsübermittlung und -verarbeitung gar gezielt in ein Trainingsprogramm mit einbezogen, stellt sich nicht zuletzt ein positiver Effekt auf das eigene Wahrnehmungsvermögen ein. Dies begünstigt Formen einer sogenannten „blinden“ Interaktion zwischen einzelnen Personen oder Gruppen. Dies wird deutlich an dem viel zitierten Wort des „blinden“ Spielverständnisses bei Sportspielmannschaften im gewöhnlichen Sinne, aber eben auch bereits bei der „kleinsten Form der Mannschaft“, nämlich dem Tennis-Doppel (BRESKVAR 1985, 101).

Ein Doppel sollte nach CATH (1980, 142) als Einheit spielen und denken. Dies impliziert die gegenseitige Anerkennung der einzelnen Rollen.
Bei vielen Doppelpaaren wächst bei heran nahenden Niederlagen aber eine Kluft zwischen Real- und Idealbild (CATH (1980, 142), das Selbstvertrauen der Spieler sinkt und mitunter werden gar gegenseitige Aggressionen wach. RAILO (1986, 117) geht davon aus, dass sich positive wie auch negative Stimmungen eher durch Körpersprache (Gesichtsausdruck, Gesten, Blickkontakt) oder durch Schweigen als durch Gespräche ausdrücken. Somit können Situationen, in denen mündliche Interaktion oder solche durch Zeichen und Gesten eigentlich angebracht wäre, faktisch aber fast jegliche Kommunikation ausbleibt - möglicherweise auch nur von einem der Partner ausgehend - mehr ausdrücken als tausend Worte.

Die kontraproduktiven Folgen unzureichender Kommunikation reichen vom Aufkommen interner Rivalität - CATH (1980, 142) spricht von „zwei opponierenden Individuen“ - bis zur Entzweiung eines Doppels.
     
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