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TENNIS-DOPPEL: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Interaktion im Tennis-Doppel ereignet sich nicht nur zwischen den beiden Partnern und mit dem gegnerischen Team, sondern auch zwischen den Spielern und ihrer unmittelbaren Umwelt - sowohl während eines Wettkampfes als auch in der Vor- und Nachbereitungsphase.
Als Faktoren der unmittelbaren Umwelt definieren wir an dieser Stelle: Trainer, Zuschauer, den bzw. die Schiedsrichter, Mannschaftskameraden sowie gegnerische Betreuer und Funktionäre. Zunächst wollen wir uns mit der beschriebenen Art von Interaktion in Wettkampfsituationen befassen. Als grundlegender und allgemein bekannter Leitsatz für jeden Turnierspieler gilt, während eines Matchverlaufes die Konzentration nur auf das Spielgeschehen zu richten, sprich ablenkende Faktoren im eigenen Interesse auszublenden. Und auch in den Phasen des Wechsels von An- zu Entspannung, wie beim Seitenwechsel oder kurzfristig auch zwischen einzelnen Punkten, sollte es nicht zu in der Sportwissenschaft so genannten aufgabenirrelevanten Kognitionen kommen. Bekannt ist diese Maxime wohl jedem Akteur, alleine mit der Umsetzung haben jedoch viele Spieler Probleme. GABLER (1982, 113) definiert insbesondere den misserfolgsängstlichen Spieler als durch außen leicht beeinflussbar. Für die Situation im Tennis-Doppel resultiert aus dieser Erkenntnis, dass gerade dann, wenn nur einer der beiden Partner mit diesem Problem zu kämpfen hat, die Mechanismen effektiver, interner Interaktion zwischen den Doppelpartnern greifen müssen. Die besondere Macht der Zuschauer Das am häufigsten beobachtete Phänomen von Interaktion mit unmittelbarer Umwelt besteht sicherlich im Einfluss des Publikums - sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Koagierende (also unterstützende) Zuschauer rufen eine Leistungsförderung infolge eines Prozesses sozialer Förderung hervor und leisten - insbesondere in Mannschaftswettbewerben - wertvolle Unterstützung für das Doppel des eigenen Vereins. Einige Akteure erreichen ihre Mobilisationsschwelle überhaupt erst durch Zuschaueransporn (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 100). Für leicht irritierbare Spieler kann hingegen schon alleine der Umstand der Anwesenheit von Zuschauern, und seien sie auch aus dem eigenen Lager, leistungshemmend wirken. Sie erfahren eine Leistungshemmung durch soziale Hemmung. Die Gefahr der Leistungshemmung ist jedoch auch insbesondere dann gegeben, wenn das Publikum sich unobjektiv-parteiisch verhält und sich möglicherweise in Folge von Gruppenpolarisation gar zu gezielten, unfairen Aktionen (Beklatschen von Fehlern etc.) hinreißen lässt. Auch hier kann die Anwendung des bereits angeführten Stresstrainings mit der Simulation gezielter Stressfaktoren eine höhere Resistenz gegen Beeinflussungsversuche von außen schaffen. Es gibt jedoch auch den umgekehrten Fall: Manche Spieler, die Aggression in neue Energie transformieren können, erfahren auch durch um jeden Preis erfolgenden Zuschaueransporn für den Gegner bei sich selbst eine Leistungssteigerung (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 100). Ein weiterer, zentraler Faktor ist die Interaktion mit dem Schiedsrichter. Denn in der Kommunikation mit dem Unparteiischen liegt ein Berührungspunkt mit allen übrigen Faktoren unmittelbarerer Umwelt, die zur Interaktion beitragen können. Schließlich ist es der Schiedsrichter, der die Anwendung des Regelwerkes vornimmt und gegebenenfalls auch Sanktionen bei Verstößen verhängt. Bei ihm kann der Protest gegen eine gefällte Entscheidung, das Reklamieren von gegnerischem Verhalten oder von Verhalten seitens der Zuschauer, gegnerischer Betreuer oder Mannschaftskameraden geltend gemacht werden. Nicht selten wird der Unparteiische in puncto Interaktion allerdings auch zum schwarzen Schaf - nämlich dann, wenn Spieler Misserfolge oder ungünstige Spielstände seinen (vermeintlich falschen) Entscheidungen zuschreiben. Zur unmittelbaren Umwelt zählt ferner der eigene Trainer. Bei Wettkampfturnieren ist die Interaktion mit ihm während der Begegnung eigentlich verboten Coaching wird mit Sanktionen von Punktabzügen bis hin zum Matchabbruch bestraft -, doch für Außenstehende unauffällige Zeichencodes erlauben es trotzdem durchaus, sich mit dem Betreuer auf der Tribüne kurz und prägnant verständlich zu machen. Stimmungen stecken an Eine andere Situation ergibt sich bei der Interaktion mit dem Coach in der Vor- und Nachbereitung eines Wettkampfes sowie in Mannschaftswettbewerben. Bei letzteren ist bekanntermaßen die gezielte Betreuung durch den Trainer während der Seitenwechsel erlaubt. Hier kommt dem Trainer die Aufgabe zu, prägnante taktische Anweisungen zu vermitteln, die Spieler wieder aufzurichten, sie in ihrer Euphorie zu bremsen oder auch Druck von ihnen zu nehmen. Gerade dann, wenn die Leitfigur des Doppels vorübergehend ein mentales Tief durchwandert, ist der Coach beim Seitenwechsel gefragt, um diesen Infektionsherd (RAILO 1986, 117) zu bekämpfen. Denn es gilt auch im negativen Sinne: Stimmungen stecken an - insbesondere, wenn sie von der Leitfigur der Gruppe ausgehen (RAILO 1986, 117). Bei schon langer Zusammenarbeit zwischen Spielern und Trainer beschränken sich Informationen auf abgesprochene Zeichen oder Stichworte, ohne dass sie dadurch weniger effektiv werden. Summa summarum erfasst der Trainer beim Seitenwechsel also den körperlichen und seelischen Zustand seiner Akteure und verändert ihn je nach Bedarf der Situation. Die Rolle der Teamkameraden Auch die Interaktion mit eigenen Mannschaftskameraden während eines Matches muss sich nicht ausschließlich auf Mannschaftswettbewerbe beschränken. Auch bei Turnieren kann das Signalisieren von Aufmunterung oder das gezielte Anfeuern von der Tribüne aus in vielen Fällen förderlich sein. In Mannschaftswettbewerben übernehmen Teamkameraden häufig die Aufgabe des Coaches auf der Bank. Dies gilt sogar als ungeschriebenes Gesetz: Sitzt kein Kamerad auf der Bank, gilt dies als Verletzung des Mannschaftsgeistes und insbesondere der Fürsorgepflicht im Hinblick auf den- oder diejenigen Spieler, die gerade für die Mannschaft um Punkte kämpfen. Auch in der Vor- und Nachbereitung von Wettkämpfen kommt der Interaktion mit Mannschaftskameraden eine wichtige Rolle zu. Während diese Art der Interaktion nur dann leistungshemmend wirkt, wenn z. B. Uneinigkeit über grundlegende taktische Konzepte oder menschliche Probleme unter den Spielern bestehen, ist die Interaktion mit gegnerischen Betreuern und Funktionären nur in den wenigsten Fällen nicht konfliktbeladen. Diesen Personen kommt zum einen ebenfalls die Aufgabe der Anfeuerung ihrer Partei zu. Da sie dem sportlichen Wettbewerb oftmals mehr Bedeutung als die Aktiven selbst zumessen und nicht selten auch in ihren Äußerungen den Rahmen der Fairness verlassen, ereignet sich zwischen ihnen und gegnerischen Spielern nicht selten eine konfliktbeladene Interaktion in unfreundlichem Ton. In Wettkampfturnieren entzünden sich die Diskussionen mit dem Anhang der Gegner zumeist an deplazierten Zwischenrufen, am Vorwurf unerlaubten Coachings oder gar genereller Unfairness. Seiten dieses Kapitels:
Worum es in diesem Beitrag gehtWas Interaktion eigentlich ist Die Wahl des Doppelpartners - klassische Kombinationstypen Interne, mündliche Interaktion eines Doppels Interaktion durch Zeichen und Gesten „Blinde“ Interaktion Interaktion des Doppels mit dem Gegner Interaktion eines Doppels mit seiner Umwelt: Trainer, Zuschauer, Schiedsrichter, Mannschaftskameraden sowie gegnerische Betreuer und Funktionäre Grad der Interaktion in Abhängigkeit von Wettkampf, Training, eigener Verfassung und Stärke des Gegners Interaktion in der Vor- und Nachbereitung von Training und Wettkampf sowie sportunabhängige Interaktion Vorhandseite, Rückhandseite: Das Mixed - Doppel als besonders „heißes Eisen“ unter Interaktionsgesichtspunkten Literaturhinweise |
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