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TENNIS-DOPPEL: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Es dürfte einleuchtend sein, dass ein erfolgreiches Doppel mehr Interaktion benötigt, als lediglich die höchst unterschiedlichen Formen von Kommunikation während eines Matches.
Der Idealzustand ist, einander so gut zu kennen, dass man die Aktionen des anderen verlässlich antizipieren (also vorhersehen) kann. Man weiß also größten Teils, was der andere in einer bestimmten Situation tut, denkt und auch fühlt. Man sollte über die Stärken und Schwächen des Partners Bescheid wissen - sowohl in technisch/taktischer als auch in menschlicher Hinsicht. Nur wenn wenigstens annähernd blindes Verständnis herrscht, ist das Zusammenspiel wirklich Erfolg versprechend und macht auch den meisten Spaß! Exakt diese Bedeutung eines Teams im wahrsten Sinne ist es auch, die Doppelpartner, welche nicht nur eine Zweckgemeinschaft bilden, sondern für mehr als den bloßen, gemeinsamen Erfolg spielen, als das Wertvollste ihres Zusammenwirkens erachten. Die Erfahrung zeigt, dass sich gegenseitige Harmonie auch, aber bei weitem nicht nur auf dem Platz herausbildet. Viel mehr fällt hierbei auch sportunabhängige Interaktion ins Gewicht. NAVRATILOVA (1984, 139) bemerkt hierzu: Das Verhältnis mit dem Partner ist auch außerhalb des Platzes wichtig. Es ist gut zu wissen, wie der andere denkt, sich in bestimmten Situationen verhält, wie man ihm helfen kann oder auch selbst Hilfe erwartet. Partner, die etwa auch privat vieles gemeinsam unternehmen, lernen ihre Eigenarten, Stärken und Schwächen auf diesem Weg vielleicht sogar noch schneller als nur im gemeinsamen Training und Wettkampf kennen. Der Annahme folgend, die Spielweise auf dem Platz sei generell auch ein Spiegelbild des persönlichen Charakters eines Tennisspielers, profitiert man von auf diesem Wege gewonnenen Erfahrungen auch auf dem Platz. Die Persönlichkeit des anderen kennen lernen In ganz alltäglichen Dingen und bei unterschiedlichsten Unternehmungen werden mehrere Faktoren erkennbar: Welches Geltungsstreben besitzt der andere? Wie aggressiv und/oder tolerant kann er sein? Wie viel Macht nimmt er sich, wie viel davon gestattet er den Menschen aus seinem direkten Umfeld? Ist er ängstlich und/oder neugierig? Ist er eher egozentrisch oder besitzt er guten Teamgeist, indem er auch auf die Bedürfnisse anderer eingeht? (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 94). Sind diese Fragen im Match nicht mehr offen, können typische Verhaltens- und Erlebnissituationen besser erkannt und interpretiert werden (DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 94). Zudem beugen diese Kenntnisse auch Enttäuschung und Frustration vor. Einen weiteren Aspekt der Interaktion und Kommunikation zwischen Doppelpartnern außerhalb des Tennisplatzes stellt gleichwohl die Vor- und Nachbereitung von Training und Wettkampf dar. So sollte es zur - sowohl lang- als auch kurzfristigen - Vorbereitung zählen, sich nicht nur technisch, taktisch und physiologisch für die bevorstehende Aufgabe zu wappnen, sondern dies auch in mentaler Hinsicht zu tun. Im Leistungstennis wird oftmals gemeinsames, mentales Training zur Motivationsverstärkung eingesetzt oder studiert man beispielsweise Videobänder mit den verlorenen Spielen eines Angstgegners (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 100). Werden im Vorfeld gezielt die gegnerischen Stärken und Schwächen besprochen (und rückt dabei umgekehrt auch das eigene Leistungspotenzial nicht zu sehr in den Hintergrund), dient dies schon alleine der Bekämpfung der gegenseitigen Nervosität (vgl. GAUTSCHI 1979, 105). Klare Erwartungen formulieren Zudem sollten klare Erwartungen für die bevorstehende Aufgabe formuliert werden, über die sich beide Partner im Klaren sind. Auf diese Weise wird zu starker, hemmender Leistungsdruck vermieden (vgl. MACKENZIE 1993, 148), auch wenn dieser schon alleine deswegen leicht entstehen kann, weil der Wettkampf ja gleichzeitig auch eine öffentliche Überprüfung der Effektivität des eigenen Trainings darstellt (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 94). Das Gefühl, unter allen Umständen gewinnen zu müssen, ist kontraproduktiv, da es eine Muskelspannung erzeugt, die die harmonische Schwungbewegung des Schlägers stört (MACKENZIE 1993, 149). In der Codierungsänderung von wir müssen hin zu wir wollen sieht MACKENZIE (1993, 151) dagegen die Freisetzung von Energie- und Motivationsreserven und rät (1993, 152), an Stelle von Perfektionismus sich gegenseitig auch gestatten, Fehler zu machen. CATH u. a. (1980, 170) stellen eine einfache Gleichung auf: Übertriebene Erwartungen = übertriebene Selbstkritik = Tennis-Spannung. Der DEUTSCHE TENNIS-BUND (1977, 95) unterscheidet seinerseits die psychischen Wettkampf-Vorrausetzungen hohe Leistungsmotivation, intellektuelle Fähigkeiten, Willenskraft, Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit, Gefühlsstabilität und Konzentrationsausdauer. Das Konzept der psychischen Wettkampf-Vorbereitung müsse demzufolge auf eine positive Verarbeitung der zu erwartenden Wettkampfbedingungen abzielen. SYER/CONOLLY (1987, 171) raten nahe liegender Weise für ein Treffen vor Spielbeginn außerdem, jegliche verbleibende Unsicherheit zu zerstreuen und ablenkende Faktoren auszuschalten sowie Spieler, die zu gespannt und nervös sind, gezielt zu beruhigen und solche, die zu gelassen sind, aufzuputschen. Gemeinsame Verarbeitung von Erfolg und Misserfolg Nach dem Wettkampf muss selbiger gleichwohl von beiden Partnern auf mentaler Ebene verarbeitet werden. Dabei ist es für ein Doppel selbstredend effektiver, dies gemeinsam zu tun und sich nicht getrennt im Eindruck von Sieg oder Niederlage auf den Nachhauseweg zu begeben. Die gemeinsame Wettkampfanalyse sollte zeitlich so nach dem Wettkampf liegen, dass dieser für die Spieler noch ein aktuelles Leistungserlebnis darstellt und daher vom lerntheoretischen Aspekt her gesehen günstige Erfolge erzielt werden können (DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 101). Inhaltlich erfolgt eine sachliche Analyse der unterschiedlichen Phasen des Matches. Im Falle einer Niederlage wird idealer Weise eine gegenseitig oder gemeinsam mit dem Trainer erfolgende, positive psychische Beeinflussung vorgeschaltet, wohingegen gegenseitige Vorwürfe ebenso wenig weiterhelfen (vgl. DEUTSCHER TENNIS-BUND 1977, 105) wie im Siegfalle geradezu blinde Euphorie. Hierbei ist es wichtig, die Bedeutung des gerade absolvierten Wettkampfes möglichst objektiv zu relativieren. Eine Zusammenfassung der Aspekte Interaktion in der Vor- und Nachbereitung von Training und Wettkampf und sportunabhängige Interaktion liefern SYER/CONOLLY (1987, 153-154). Auch sie schlagen zur Förderung von Teamgeist Treffen nach dem Spiel zur Leistungsbewertung, die Zusammenkunft bereits vor der Begegnung zur emotionalen Vorbereitung sowie zwischenzeitliche Treffen mit persönlichen und sozialen Aspekten, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, vor. Seiten dieses Kapitels:
Worum es in diesem Beitrag gehtWas Interaktion eigentlich ist Die Wahl des Doppelpartners - klassische Kombinationstypen Interne, mündliche Interaktion eines Doppels Interaktion durch Zeichen und Gesten „Blinde“ Interaktion Interaktion des Doppels mit dem Gegner Interaktion eines Doppels mit seiner Umwelt: Trainer, Zuschauer, Schiedsrichter, Mannschaftskameraden sowie gegnerische Betreuer und Funktionäre Grad der Interaktion in Abhängigkeit von Wettkampf, Training, eigener Verfassung und Stärke des Gegners Interaktion in der Vor- und Nachbereitung von Training und Wettkampf sowie sportunabhängige Interaktion Vorhandseite, Rückhandseite: Das Mixed - Doppel als besonders „heißes Eisen“ unter Interaktionsgesichtspunkten Literaturhinweise |
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