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TENNIS-DOPPEL: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Interaktion durch Zeichen und Gesten betrifft im Tennis-Doppel in erster Linie sehr kurzfristige taktische Absprachen.
Ein Paradebeispiel für die Anwendung dieser Kommunikation ist, wenn der am Netz postierte Spieler der aufschlagenden Paarung die Griffhaltung des returnierenden Akteurs erkennt und demzufolge merkt, dass die mit den eigenen Partner zuvor und in den meisten Fällen mündlich getroffene Vereinbarung, in welchen Korridor des Aufschlagfeldes und mit welchem Schnitt dieser aufschlagen wird, unwirksam werden könnte. In diesem Falle ist es angezeigt, dem Partner die veränderte Notwendigkeit durch ein für den Gegner nicht interpretierbares oder vielleicht auch überhaupt nicht wahrnehmbares Zeichen mitzuteilen, so dass dieser seine Handlungsabsicht noch rechtzeitig ändern kann. Die bekannteste Maßnahme besteht für den Netzmann in diesem Falle darin, seinen Partner durch eine hinter dem eigenen Rücken erfolgende Anzeige per Hand zu informieren. Hierbei ist es zumeist der Fall, dass beide Spieler über einen abgesprochenen Zeichencode verfügen. So könnte beispielsweise eine geschlossene Faust mit nach links zeigendem Daumen bedeuten, dass der Aufschlag auf die gegnerische Vorhandseite serviert werden sollte. Eine geschlossene Faust mit Daumen nach oben könnte den Aufschläger auf die Notwendigkeit eines hoch abspringenden Kick-Aufschlages hinweisen. Ziel solcher Mitteilungen ist es selbstredend, dass schon durch die erste Aktion des Ballwechsels ein Punktgewinn effektiv vorbereitet werden soll oder der Netzmann in vorheriger Kenntnis von Richtung und Schnitt des Aufschlages den somit leichter zu antizipierenden Return sogar schon direkt mit einem Flugball verwerten kann. Für den Gegner schwierige Entschlüsselung der Codes Auch könnte festgelegt sein, dass der Aufschläger unmittelbar vor der Ausführung des Service auf den z. B. rechten Fuß und das rechte Bein seines Partners achtet. Verlagert dieser sein Körpergewicht deutlich auf diese Seite, so könnte dies einen durchzuführenden Aufschlag auf die Rückhandseite des Returnierenden signalisieren. Auch das leichte Anheben der Fußsohle auf der entsprechenden Körperseite kann Richtungen und angebrachte Schnittvarianten signalisieren. Der Teufel steckt hier für die Gegner sprichwörtlich im Detail. Auch mit den Armen, dem Kopf oder der gesamten Oberkörperpartie können entsprechende Andeutungen übermittelt werden, den Variationsmöglichkeiten sind so gut wie keine Grenzen gesetzt, solange diese Varianten für die Gegner nicht erkennbar sind. Und selbst wenn die Kontrahenten zusätzlich zu ihrer eigenen, internen Interaktion ihr Konzentrationsvermögen überhaupt noch auf die beschriebenen Faktoren richten können, dürfte doch die wirkliche Entschlüsselung dieser Codes in dem doch recht kurzen Zeitraum eines Matches kaum gelingen. Kennen sich die Doppelpaare bereits aus mehreren Vergleichen besser, so sind hingegen auf Dauer sicherlich einige diesbezügliche Variationen ratsam. Von selbst versteht sich, dass die Interaktion durch Zeichen und Gesten umso effektiver ist, je besser die Codes im Vorfeld abgesprochen bzw. von den Partnern durch ihr Zusammenspiel über einen langen Zeitraum bereits verinnerlicht wurden. Eine ebenfalls denkbare, allerdings aufgrund der für die Gegner vereinfachten Erkennbarkeit der Interaktion weniger effektivere Methode besteht für den Netzmann darin, sich bereits vor der Ausführung des Aufschlages nach unten oder zu einer Seite wegzuducken und damit dem Aufschläger einen deutlich größeren Platzierungskorridor zu eröffnen. Zeichen und Gesten während und nach dem Ballwechsel Dass umgekehrt der Aufschläger noch kurzfristig mit dem Netzmann kommuniziert, ist zwar möglich, aber auf der Ebene der Interaktion durch Zeichen und Gesten nur äußerst schwierig zu realisieren. In Betracht kommt hierbei allenfalls die mündliche Interaktion. Gleiches gilt für die Return-Situation. Aufgrund seiner Blickrichtung ist der Netzmann durch den Returnierenden unmittelbar vor Beginn des Ballwechsels nur noch akustisch zu erreichen, umgekehrt könnte Interaktion durch Zeichen und Gesten dagegen wiederum zur Anwendung kommen - beispielsweise dann, wenn der Netzmann im letzten Moment eine entscheidende Absprache der Gegner wahrnimmt, nach der der gegnerische Netzspieler beispielweise den zu erwartenden Return in der Platzmitte abfangen und direkt verwandeln will. Wird dem eigenen Returnspieler dieses Vorhaben noch kurzfristig signalisiert, kann dieser mit einem Longline-Return, der ansonsten aufgrund der Netzabdeckung und eines demzufolge stark eingeengten Schlagkorridors äußerst riskant wäre, effektvoll reagieren immer vorausgesetzt natürlich, das gegnerische Doppel hat sein Vorhaben nicht rein zum Zwecke der Täuschung besprochen. Neben jenen Kommunikationsmaßnahmen unmittelbar vor dem Ballwechsel kommt gezielte Interaktion durch Zeichen und Gesten aber auch nach einem Ballwechsel zustande. Wurde der vorausgegangene Punkt verloren, motiviert ein aufmunternder Klaps als Geste des Partners neu. Wurde der Punkt gewonnen, ist gegenseitiges Abklatschen ein oftmals beobachtetes Ritual. Kommunikation in dem beschriebenen Sinne liegt auch vor, wenn man sich gegenseitig etwa die geballte Faust zeigt. Effektiv ist solche Interaktion durch Zeichen und Gesten auch im Hinblick auf interne Interaktion, die vom Gegner registriert wird hierzu später mehr. Während dem Ballwechsel beschränkt sich die Interaktion dagegen in erster Linie auf mündliche Zurufe, da man den Partner ja nicht im Visier hat - zumindest wenn man dem Anspruch blinden Verständnisses und vor allen Dingen dem des Vertrauens in die Aktionen des Partners gerecht wird bzw. werden kann. Befinden sich beide Partner während eines Ballwechsels nicht auf gleicher Höhe, kann man allenfalls aus der Körpersprache des weiter zum Netz hin postierten Akteurs Absichten und Notwendigkeiten ableiten, fehlt doch zum Übermitteln gezielter Zeichen in den besonders schnellen Spielsituationen des Doppels aufgrund des Handlungsdruckes alleine schon die Zeit. Seiten dieses Kapitels:
Worum es in diesem Beitrag gehtWas Interaktion eigentlich ist Die Wahl des Doppelpartners - klassische Kombinationstypen Interne, mündliche Interaktion eines Doppels Interaktion durch Zeichen und Gesten „Blinde“ Interaktion Interaktion des Doppels mit dem Gegner Interaktion eines Doppels mit seiner Umwelt: Trainer, Zuschauer, Schiedsrichter, Mannschaftskameraden sowie gegnerische Betreuer und Funktionäre Grad der Interaktion in Abhängigkeit von Wettkampf, Training, eigener Verfassung und Stärke des Gegners Interaktion in der Vor- und Nachbereitung von Training und Wettkampf sowie sportunabhängige Interaktion Vorhandseite, Rückhandseite: Das Mixed - Doppel als besonders „heißes Eisen“ unter Interaktionsgesichtspunkten Literaturhinweise |
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