Alles nur teurer und schlechter?!
Seiten:  1 Mehr als Zufall?
Sporttextilien, die hoch funktionell sind, aber angemessene Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit vermissen lassen. Laufschuhe, die Schnelligkeit und Stabilität zugleich garantieren, aber deren Außensohle schon bald nur noch bedingt als solche zu erkennen ist – heute ist die Liste potenzieller Fehlkäufe von Sportartikeln lang. Beim Herstellungsprozess, aber mitunter auch schon bei der Produktentwicklung, herrschen oft nur noch unzureichende Qualitätsstandards. Gefeit vor Ärgernissen ist man auch bei vorhandener Bereitschaft, mehr Geld für bessere Qualität auszugeben, nicht.

Von Ruven Sauer, Sportjournalist
In mir schlägt ein schwarz-blaues Herz - im Italienischen nennt man es „Il cuore nerazzurro“. Ich „oute“ mich gerne, denn unter den ausländischen Fußballvereinen gehört seit jeher dem italienischen Traditionsverein Inter Mailand meine Zuneigung.
Und von dieser Leidenschaft zeugt aus der Vergangenheit so manches – vor allem eine bis zum Ende der 90-er Jahre zusammen getragene Sammlung zahlreicher Trikots des zuletzt seit 2005 ununterbrochen amtierenden „Campione d’Italia“.

Vor ein paar Tagen nahm ich mir die Zeit und habe die guten Stücke mit der nötigen Muße endlich wieder einmal der Reihe nach in Augenschein genommen.
Hier das Shirt vom Ende der 80er-Jahre, als das „Trio Tedesco“ mit Lothar Matthäus, Andreas Brehme und später auch Jürgen Klinsmann bei Inter mit Meistertitel und UEFA-Pokalsieg für Furore sorgte. Dort sogar ein originales Trainingshemd aus gleicher Zeit – unwiderbringlich! Und bei jenen Trikots aus den 90-ern sehe ich noch immer die niederländischen Stars Bergkamp und Jonk wirbeln. Vom Torwarttrikot Walter Zengas ganz zu schweigen. Selbst ein authentisches, da im Spiel getragenes Ronaldo-Shirt nenne ich mein Eigen.
Als ich so gedankenverloren vor dem Schrank verhaarte, resultierte mein Schwelgen in der Sporthistorie jedoch vor allem in einer Erkenntnis: Es ist schier unglaublich, in welch exzellentem Zustand sich diese in ihrer Mehrzahl immerhin zwischen zehn und 20 Jahren alten Textilien bis heute gehalten haben!
Dazu muss man wissen: Ich habe die Trikots nicht sonderlich pfleglich behandelt. Eher das Gegenteil war der Fall. Viele von ihnen waren und sind meine stetigen Begleiter bei unzähligen Ausdauerläufen oder beim Gang ins Fitness-Studio. Und die wichtigsten Grundsätze zur Textilpflege, insbesondere solche für wertvolle Sporttrikots, habe ich auch erst mit den Jahren überhaupt kennen gelernt.
Und trotz allem ein solches Ergebnis, das immer noch echte Freude bereitet! Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Diese Trikots haben ihre Widerstandsfähigkeit hinlänglich bewiesen.

Doch wie sieht es heute aus? Würden Sporttextilien solche unfreiwilligen „Härtetests“ immer noch derart unbeschadet überstehen?
Ich stelle die These auf: Nein, die Mehrzahl würde es nicht. Und das ist kein Zufall.

Nun wollte ich es wirklich genau wissen. Ich öffnete auch die nächste Schranktüre und holte zusätzlich meine längst bei Seite gelegten Tennishemden von früher zum Vergleich hervor.
Und auch hier, völlig unabhängig vom Fabrikat: Alle Achtung – obwohl noch schlimmer malträtiert mit rotem Sand, zerknüllt im Wäschefach der Tennistasche nach Hause transportiert und zu Studentenzeiten dann kurzerhand mit der eben gerade mal passenden Waschtemperatur in die Maschine geworfen. Natürlich nicht einmal - wie grundsätzlich empfohlen - falsch herum und trotz deutlichem Verbotshinweis auf dem Pflegeetikett anschließend sogar noch im Trockner getrocknet!

Heute und seitdem ich vor etwa acht Jahren zum leidenschaftlichen Ausdauerläufer geworden bin, kümmere ich mich hingegen größten Teils sogar mit echter Hingabe um meine Sportwäsche. So habe ich mir auf diesem Gebiet viel aneignen können, vor allem auch dank zahlreicher Gespräche mit erfahrenen Zeugwarten aus dem Bereich der Leichtathletik und des Profifußballs.

Doch es bleibt einfach der zentrale Eindruck, den auch Fachleute (wie die oben genannten), welche Tag für Tag beruflich mit adäquater Textil- und Materialpflegepflege zu tun haben, nicht loswerden: Die eigentlichen Materialien - nicht nur von Sport-Funktionstextilien, sondern zum Beispiel auch von Sportschuhen - haben sich in den letzten zehn Jahren zwar enorm weiter entwickelt und decken eine beachtliche Bandbreite an Funktionalität ab. Doch zugleich sind die Produkte heute deutlich weniger haltbar - will heißen: weniger widerstandsfähig. Freilich zum Leid des Kunden, der vor Fehlkäufen auch bei vorhandener Bereitschaft, mehr Geld für gute Qualität auszugeben, nie weniger gefeit war als heute - ein fürwahr ungutes Gefühl!
     
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